Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Alles rund um das Sekret: Welche Absauggeräte? Welche Inhaliergeräte? Mit was und wie oft inhalieren die Kinder?
Mama Ursula
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Re: Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Beitrag von Mama Ursula » Mo, 10. Jun 2013, 11:37

Liebe Nina!

Habe mich jetzt in HH nochmal ganz detailliert über das Sekretmanagement bei neuromuskulären Erkrankungen fortgebildet und auch extra einen Workshop zum Cough Assist mitgemacht.
Dr. Diesners Ausführungen kann ich immer noch gar nicht nachvollziehen, denn alles was ich immer wieder erfahren kann, widerspricht seiner Meinung.
Meines Wissens nach/ Mir wurde nun wieder erklärt, dass der Cought Assist (= Insufflator-Exsufflator - egal von welcher Firma) mit einem vom Arzt voreingestellten Druck von 25-30 cm H²O zuerst die Lunge des Patienten "aufbläht" und dann umschaltet und mit einem raschen Unterdruck/ Sog Sekret aus den Tiefen nach oben befördert, bis es abgesaugt oder "abgehustet" werden kann. Dies geht auch bei gut sitzender, ungeblockter Kanüle!
Atelektasen werden dadurch "geöffnet" und es kommt zu einer Clearance aus den Tiefen, viel tiefer, effizienter und vorallem schonender als jedes herkömmliche Absaugen.

Immer wieder wurde mir versichert und in vielen Vorträgen betont, dass dies eigentlich ein MUSS für alle muskelhypotonen, primär lungengesunden Patienten ist!

Die neuen Geräte können sogar oszillerieren, also quasi durch den Luftstrom innerlich abvibrieren, um so das Sekret noch besser zu lockern.

Es wurde empfohlen, den CA 4-6x jeden Tag und bei Infekten häufiger zu benutzen!
Es gibt etliche Studien, (ich habe inzwischen viele Links dazu bekommen, falls Du sie willst), die belegen, dass es zu erheblich weniger Pneumonien und hypoxischen Zwischenfällen durch ein solches, konsequentes Sekretmanagement kommt.

Leider kann man den CA nicht zuhause mit dem PD und einem Medizintechniker testen, aber ich habe einen Arzt gefunden (was erstaunlich schwierig ist, wie ich erstaunt feststellen musste), der bereit wäre, den CA mit Euch "ambulant" zu testen. Allerdings ist Dr. Wollinsky schwer beschäftigt und als OA der Anästhesie auf einer kleinen, mit nur wenigen "Boxen" ausgestatteten ITS angestellt. Also wird eine Terminabsprache eher schwierig und Ihr müsstet Euch "außerhalb" eine Unterkunft suchen, wenn Ihr nicht an einem Tag hin- und zurückfahren wollt. Die Testung dauert vermutlich nur kurz (1-4 Stunden, je nach Umfang...).
Vielleicht magst Du ihn mal per Mail anfragen: kurt.wollinsky@rku.de , telefonisch geht auch, ist aber sicher zeitaufwendiger, weil er wahrscheinlich nicht immer gleich zu erreichen ist. Ist aber wirklich ein ganz erfahrener und netter, der im RKU zusammen mit Dr. Geiger die Sprechstunde für überwiegend invasiv beatmete Patienten anbietet.

Ansonsten wäre natürlich eine Anbindung an eines der großen Beatmungszentren mit Schwerpunkt Pädiatrie sinnvoll - da gibt es aber wohl nur München, HH, Berlin, evtl. noch Essen oder einige kleinere Zentren, die ich bislang nicht herausgefunden habe.
Köln ist gut für TS-Fragen, nicht unbedingt für Beatmungseinstellungen...

Immer wieder wurde mir geraten, "beschriebene Patientin" (also Evelin) an solch ein Zentrum zu verweisen.

Nächstes Jahr ist der Jahreskongress der DIGAB übrigens in Ulm! Und da wird es dann nochmal deutlich pädiatrielastiger und somit sicher noch spannender für uns!

So - nu war es wieder lang - hoffe, Du hast durchgehalten und konntest wirklich was für Euch rausziehen.

Alles Liebe und Gute!
Grüßle
Ursula
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Re: Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Beitrag von Missy » Mo, 10. Jun 2013, 12:51

Ursula, du bist ein Schatz!!!! vielen vielen dank!
ich werde wohl nach Siegen in die Kinderinsel gehen mit Evelin...da gibt es ein Diagnostikbett, wo auch der Cough assist sowie die Rüttelweste ausprobiert und eingestellt werden.
Ich weiß nur zur zeit nicht wann, und was prioriät hat.....skoliose? beatmung? nun erst mal MRSA *nerv* und dann.....mal schaun.
Ich hab grad leider echt keine nerven für solche neuen sachen :-(
lg NIna
--- Nina (1983) mit Tochter Chantalle (1999, gesund) und Evelin geb 05.11.2006, leider keine Diagnose, neuromuskuläre Erkrankung,Tracheostoma und voll beatmet, Peg-Sonde da kein Schluckreflex, Muskelschwäche ---

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Re: Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Beitrag von Mama Ursula » Mo, 10. Jun 2013, 15:25

Hey Nina!

Na klar! Siegen gibt es ja auch noch! Hab dort ja meine Zusatzqualli - Heimbeatmung bei Kids gemacht - oh weh, manchmal werde ich echt schon alt und sehr vergesslich.

Aber in Siegen (und den anderen Häusern) bekommt man ja auch nicht schnell einen Diagnostiktermin. Vielleicht magst dort doch mal anfragen... Evtl. können die die Sanierung ja auch gleichzeitig machen/ beginnen.
Für die Skoliose-Geschichte wäre eine vorherige Keimsanierung und optimales Sekretmanagement ja ohnehin wichtig/ zwingend.

Wie ist das denn, gehen bei Evelin die Tröpfe schnell kaputt? Wir haben als PD Kids mit i.v.-Therapie nach den ersten 3 Gaben (damit man keine bösen, allergischen Überraschungen zu Hause erlebt) auch mit peripherem DTI zu Hause betreut. Bei Bedarf kam der KiA und hat einen neuen Zugang gelegt. Argument war immer, damit sich die Kids nicht noch weitere Keime einfangen! Zumal die meisten MRSAs nicht i.v. sondern eher per Inhalations- und "Waschtherapie" behandelt wurden.

Ehrlich! Ruf doch mal in Siegen an und schau, was die Dir für die 2-3 Baustellchen von Evelin anbieten können.

Nur Mut! Ihr kriegt das schon hin!

Grüßle
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Re: cough assist o.ä. mit beatmung u d tk??

Beitrag von Budins » Sa, 18. Apr 2015, 10:11

Franziska hat geschrieben:Hallo Missy,

wir verwenden den Cough assist seit einem Jahr zwei mal täglich und sind überzeugt, dass er gute Dienste bei der Sekretmobilisation, bei der Belüftung sonst schlecht evtl. minderbelüfteter Lungenabschnitte und zur Vorbeugung von Atelektasen leistet. Luna toleriert aber beatmungsfreie Intervalle gut und in dieser Zeit wird die "HustenHilfe" morgens und abends eingesetzt. Der C.A. wird mit einer Gänsegurgel verwendet, die man auf den Konnektor der TK steckt. Wir verwenden nur die "Inhale" Funktion, die das Überblähen der Lunge bei der Einatmung vor einem Hustenstoß imitiert. Bei Infekten hat sich die Anwendung auch zwischendurch bewährt. Bei der Anwendung blocken wir die Kanüle.
Wir haben den C.A zunächst ambulant in der Beatmungssprechstunde probieren können und da es Luna ausgesprochen gerne zu haben scheint, ein bischen aufgeblasen zu werden, wurde das Gerät verordnet.

Herzliche Grüße Franziska
Na so was,verstehe ich jetzt genau.Vielen Dank.

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Re: Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Beitrag von Mama Ursula » Sa, 18. Apr 2015, 11:50

Hey Franziska und Budins,

fürs Überblähen reicht aber doch eigentlich auch ein Ambubeutel.

Das Geniale am C.A ist ja eigentlich, dass er durch den raschen Wechsel von Inspiration und Exspiration den natürlichen Hustenstoß, der bei sehr vielen Patienten zu schwach ist, immitiert.

Fürs Überblähen alleine, wäre mir das Teil zu sperrig und die Beantragung zu aufwendig.

Grüßle
Ursula, die ja auch auf den CA schwört
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Re: Cough Assist o.ä. mit Beatmung und TK?

Beitrag von Lotte » Sa, 10. Feb 2018, 10:20

Liebe Ursula,

vielen Dank für deine Ausführungen zum Hustenassitenten. Unser Kind hat gerade einen ziemlich festsitzenden Infekt. Nach einer Woche i.v.-Antibiose auf ITS konnten wir zwar wieder nach Hause, allerdings war das Sekret hier nach fünf Tagen wieder gelb und wir sind nun am Dauerinhalieren und Atemtherapie machen. Unserem muskulär hypotonen Kind fällt das Abhusten sichtlich schwer und wir überlegen, ob ein Hustenassistent helfen könnte, bzw. ob der auch schon bei den Kleinen (1 3/4 Jahr) angewendet werden kann. Welches Gerät wäre empfehlenswert, wer stellt es ein? Du meintest, dass du dich hierzu noch einmal im pädiatrischen Bereich fortbilden wolltest. Gab es da nützliche Informationen? Vielen Dank schon einmal für deine Hilfe!

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